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Regulatorik & Compliance
29. Dezember 2024

Warum das EU-DPP-Register keine Produktdatenbank ist

Warum das EU-DPP-Register keine Produktdatenbank ist

Das EU-DPP-Register wird oft als zentrale Produktdatenbank missverstanden. Warum es in Wirklichkeit nur ein Vertrauens- und Suchlayer ist – und warum das entscheidend ist.

Einordnung der DPP-Infrastruktur nach der ESPR (EU) 2024/1781

Mit der Ökodesign-Verordnung für nachhaltige Produkte (ESPR) führt die EU den Digitalen Produktpass (DPP) als zentrales Instrument für Nachhaltigkeit, Transparenz und Kreislaufwirtschaft ein.

Dabei sorgt ein Punkt regelmäßig für Verwirrung:
Das von der EU aufzubauende DPP-Register wird häufig als zentrale Produktdatenbank verstanden.
Das ist fachlich falsch – und strategisch gefährlich.

Dieser Artikel erklärt, was das EU-DPP-Register wirklich ist, was es bewusst nicht ist und warum dezentrale Plattformen wie AIRdBASE eine zentrale Rolle spielen.

1. Die rechtliche Ausgangslage: Was die ESPR tatsächlich fordert

Die ESPR verpflichtet die EU-Kommission, bis spätestens 19.07.2026:

  • ein Register für Digitale Produktpässe aufzusetzen und
  • ein öffentlich zugängliches Web-Portal zur Suche und zum Vergleich von DPPs bereitzustellen.

Entscheidend ist die Formulierung der Verordnung selbst:

Das Register muss mindestens die eindeutigen Kennungen (Unique Identifiers) der Digitalen Produktpässe speichern.

Damit ist klar:
👉 Das EU-Register speichert keine Produktdaten.

2. Das EU-DPP-Register: Ein Vertrauens- und Verzeichnisdienst

Was wird gespeichert?

Das EU-DPP-Register ist ein technischer Vertrauensanker, vergleichbar mit:

  • einem DNS-Verzeichnis im Internet
  • einem zentralen Register für Identitäten
  • einem Index, nicht einer Datenbank

Typische Inhalte des Registers:

  • Unique Identifier des DPP (z. B. URI/URN)
  • Status (aktiv, zurückgezogen, ungültig)
  • ggf. Verweis auf den verantwortlichen Wirtschaftsakteur
  • ggf. technische Prüfinformationen

Was wird nicht gespeichert?

Nicht Bestandteil des EU-Registers sind:

  • technische Produktdaten
  • Nachhaltigkeitskennzahlen
  • Konformitätsnachweise
  • Dokumente
  • Reparatur- oder Serviceinformationen
  • Lifecycle-Historien

Diese Daten bleiben dezentral – beim Hersteller oder bei beauftragten DPP-Plattformen.

3. Das öffentliche DPP-Portal: Such- und Vergleichsebene, kein Frontend

Zusätzlich richtet die EU ein öffentliches Web-Portal ein. Auch hier gilt:

Das Portal ist:

  • eine Suchmaschine
  • ein Discovery-Layer
  • ein Weiterleitungsmechanismus

Es ist kein:

  • Produktpass-Editor
  • Kundenportal
  • Service- oder After-Sales-System

Zugriffsrechte bleiben vollständig erhalten.
Sensible Daten sind weiterhin geschützt und nur für berechtigte Akteure sichtbar.

4. Warum die EU bewusst keine zentrale Produktdatenbank baut

Diese Architektur ist kein Zufall, sondern politisch und technisch gewollt:

1. Haftung & Verantwortung

Produktdaten bleiben dort, wo auch die Verantwortung liegt:
beim Hersteller bzw. Inverkehrbringer.

2. Innovationsfähigkeit

Eine zentrale EU-Datenbank würde Innovation bremsen.
Dezentrale Plattformen ermöglichen:

  • neue Services
  • branchenspezifische Lösungen
  • kontinuierliche Weiterentwicklung

3. Skalierbarkeit

Die EU plant DPPs für nahezu alle physischen Produkte.
Eine zentrale Datenhaltung wäre technisch und organisatorisch nicht beherrschbar.

5. Normierung bestätigt dieses Modell

Die europäische Standardisierung zum DPP läuft maßgeblich in der CEN-CENELEC JTC 24.

Dort wird intensiv an:

  • Unique Identifiers
  • Data Carriern (z. B. QR Codes)
  • Sicherheits- und Zugriffsmodellen
  • Interoperabilität

gearbeitet.

Wichtig:
JTC 24 standardisiert das „Wie“, nicht das „Wo“.
Die Normen gehen klar von dezentralen Datenquellen aus.

6. Was das für Hersteller und Betreiber bedeutet

Für Unternehmen heißt das konkret:

  • Sie müssen DPP-Daten bereitstellen
  • Sie müssen nicht ihre Daten an eine EU-Datenbank abgeben
  • Sie brauchen:
    • eine stabile DPP-ID
    • einen Data Carrier (z. B. QR Code)
    • eine Plattform zur Verwaltung der Inhalte

7. Warum AIRdBASE genau hier ansetzt

AIRdBASE versteht den Digitalen Produktpass nicht als Dokument, sondern als digitale Produktplattform:

  • Smart ID = eindeutiger DPP-Identifier
  • QR Code = normkonformer Data Carrier
  • AIRdBASE = Content-, Dokumentations- und Service-Layer
  • EU-DPP-Register = übergeordneter Vertrauensanker

So entsteht:

  • regulatorische Konformität
  • operative Nutzbarkeit
  • echter Mehrwert über den gesamten Produktlebenszyklus

8. Fazit

Das EU-DPP-Register ist keine Produktdatenbank – und soll es auch nicht sein.

Es ist:

  • ein Register für Identitäten
  • ein Vertrauens- und Suchlayer
  • die Basis für ein föderiertes, dezentrales DPP-Ökosystem

Die eigentlichen Produktdaten gehören dorthin, wo sie genutzt werden:
in leistungsfähige Plattformen wie AIRdBASE.